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Ist ‚Bandscheibe‘ eine Diagnose?

HWS_Bandscheibe Zu unseren täglichen Erfahrungen gehört dieser fast stereotype Gesprächsbeginn mit erwachsenen Patienten:

„Was führt Sie zu uns?“ –

„Ich hab’s an der Bandscheibe!“ (wahlweise: „Ich hab ’ne Bandscheibe“) –

„Was ist denn mit Ihrer Bandscheibe?“ –

„Sieht man auf den Aufnahmen!“ – fast triumphierend…

Wir waren vor ein paar Wochen auf einem Kongreß in Frankreich, wo über ‚Die Erfolgsrate bei Epicondylitis‚ berichtet wurde. Das Gleiche gilt für die Schulter oder das Knie…

Gemein ist all diesen Aussagen, dass hier ein Phänomen – sei es ein Schmerzpunkt oder auch eine Auffälligkeit bei bildgebenden Untersuchungen – als Diagnose genommen wird. So kommt man schnell zu einem Kurzschluß-Denken: Befund = Problem.

Man kennt das aus der Inneren Medizin:  Hoher Blutdruck =  Problem, also Blutdruck senken, Problem gelöst.

Hat sich so langsam herumgesprochen, dass dem nicht so ist. Man kann gerne Cholesterin messen und bei (angeblich) zu hohen Werten selbiges medikamentös senken. Die Herzklabasterrate bleibt. Und dieses saloppe Wort ist bewußt gewählt, um gar nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, man könne dem Cholesterinwert irgendeine Pathologie zuordnen.

Bei unseren orthopädischen Problemen ist es ähnlich: wie Viele laufen mit – Gott sei dank unerkannten – ‚Bandscheibenschäden‘ völlig beschwerdefrei durch die Gegend. Dann bekommen sie ganz anders verursachte Kreuzschmerzen und plötzlich wird die Bandscheibe entdeckt. Nur selten wird dann die Mühe gemacht zu schauen, ob die geschilderten oder nachgewiesenen Beschwerden auch zur gefundenen Bandscheibenetage ‚passen‘. Man kann nämlich sicher oberhalb des 40. Geburtstages durchaus und überhaupt Bandscheibenschäden haben und Kreuzschmerzen aus ganz anderer Ursache. Von Beschwerden im Schulter- Nackenbereich ganz abgesehen. Da ist ein echter bandscheiben-verursachter Schmerz eine Rarität. Deshalb auch auf unserem Bild ein Ausschnitt der Halswirbelsäule…

Man muß also sagen: o.k., lieber Patient, Du hast (Sie haben) Schmerzen da oder da, zum Beispiel an der Schulter. Lass uns mal schauen, was die verursacht und lass uns dann schauen, wie weit wir dieses nach hinten verfolgen können. Letztlich kommt man dann immer bei ‚Passungsproblemen‘ raus, wie Th.v.Uexkuell das nannte. Also Inkongruenzen zwischen dem, wofür der Mensch gemacht ist und dem, wie er/sie lebt und das tägliche Brot verdient. Man kann nicht immer an der letzten Ursache ansetzen, muss da Realpolitik betreiben und eben auch manchmal Kompromisse eingehen. Auf keinen Fall aber sollte man alle Kreuzschmerzen, alle Schulterprobleme oder alle Ellenbogenbeschwerden in einen Topf tun.Und nicht immer ist das, was man am ehesten sieht und abbilden kann auch das Wichtigste. Und man muß selbstredend auch die 5% schlimmen Sachen im Blick haben, die auch mal Ursache dieser Schmerzen sein können. Aber Funktionsstörungen sind für die weit überwiegende Anzahl dieser Beschwerden ‚zuständig‘ und Tumore o.ä. nur eine kleine Minderheit der Fälle.

Es gibt Momente, wo man erst ganz pragmatisch den Schmerz beseitigen muß – in extremis wirklich da ansetzend, ‚wo es weh tut‘. Aber danach bitte schauen, was dem Ganzen zugrunde lag. Wenn wir uns da einig sind ist schon viel gewonnen. Dann wird aus der Epicondylitis das Symptom einer Passungsproblematik durch Oberbauchprobleme (z.B. Reizmagen, Pankreas-Irritation), die wiederum von chronischer Spannung verursacht sind, etc. pp.

Der nächste Schritt ist dann die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Klingt gut, will auch jeder, zumindest verbal. Beginnt man, dies umzusetzen, wird es schon hakeliger. Denn jede(r) meint natürlich, im Mittelpunkt stehen zu müssen. Wir auch, keine Sorge! Aber manchmal muß man seinen Patienten dann dem Zahnarzt, dem Neurologen oder dem Psychologen abgeben, manchmal kann der Stoffwechsel-Spezialist mehr tun für den Kreuzschmerz als man selber. Der ist gut im Job (und für den Patienten) der das akzeptiert.

Wir bemühen uns, diesem unserem hohen Anspruch gerecht zu werden.

Nehmen Sie uns beim Wort.

 

 

 

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