PrivatPraxis
Huhnsgasse 34
50676 Köln

Dr. med. H. Biedermann
Chirurg | Chirotherapie
Lebenslauf & Publikationsliste

Dr. med. B. Küsgen
Orthopädie | Chirotherapie
Lebenslauf

Dr. med. H.J. Schmitz
Allgemein- Sport- & Umweltmedizin | Chirotherapie
Lebenslauf

Tel.: 0221 / 716 555 - 0
Fax: 0221 / 716.555 -15
Email schicken


Bitte beachten: Die Parkplätze auf dem Gelände gehören zum Nachbarhaus, nicht zur Praxis - leider.

Anfahrtskizze zum Ausdrucken

H. Biedermann: Ein Familien-Fotoalbum Köln auf dem Weg ins Wirtschaftswunder

Dies gehört nicht im strengen Sinne ‚zur Praxis‘ – bis auf die Tatsache, dass eine gewisse personelle Nähe nicht zu übersehen ist. Am 26. April wurde im Stadtmuseum Köln (im alten Zeughaus) obiges Buch vorgestellt:
Fotos der 50ger Jahre aus dem Fundus der Familie Prümm

 

In einer kleinen&feinen 500er- Auflage wird hier anhand der Fotosammlung von Johanna und Theo Prümm das Köln der Nachkriegs- Wiederaufbaus gezeigt.

Bis es zu diesem Buch kam war ein recht verschlungener Weg zurückzulegen. Eigentlich ging das Ganze los mit einem Artikel im NZZ Folio vom November 2010, in dem über meine Leidenschaft für alte Fotos berichtet worden war (hier). Diesen Text las dann eine inzwischen seit Jahrzehnten in Luzern ansässige alt- Kölnerin, die gerade ihre noch in Köln ansässige Mutter verloren hatte.

Selbige Mutter (Johanna Prümm) hatte zeitlebens – und dabei in freundschaftlichem Wettbewerb mit ihrem Mann Theo wirkend – alles fotografiert, was sie erlebte und was ihr dokumentierenswert schien. Theo war fast 20 Jahre älter als sie, und so gingen seine Fotoarchive bis in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg zurück, als er sich und seine Familie als junger Mann noch auf Glasnegativen verewigte. Seine Zeit im Krieg, aber auch die zwanziger und dreißiger Jahre sind in vielen Negativbündeln verschiedenster Formate festgehalten.

Ende der Dreißiger dann trafen sich die beiden, und heirateten ziemlich schnell – Theo fast vierzig, Johanna Anfang zwanzig. Von da an ergänzte Johanna die Fotografien ihres Mannes nach Kräften. Nach dem 2. Weltkrieg wählte sie meist Dias als Fotografie- Medium, Theo blieb beim klassischeren schwarz/weiß. So waren – vorsichtig geschätzt – 100.000 Bilder zusammengekommen; ein Berg von Negativen, Papierabzügen und Diakästen, viele im klassischen AGFA-Rot mit den dazu obligaten Glasnevativen.Was nach zweimaligem Reduzieren übrig blieb...

Was nach zweimaligem Reduzieren übrig blieb…

Obwohl ich sonst jeden  Mist fotografiere hab ich zu meinem Erstaunen festgestellt, dass ich von diesem ursprünglichen Bilderberg keinerlei Fotodokument habe. Es möge genügen zu sagen, dass ich meine geräumige Kombilimusine 4x vollmachen mußte, um das Konvolut zu uns zu transportieren. Das Bild hier links gibt nur einen winzigen Ausschnitt der ursprünglichen Materialmenge wieder, aber man erkennt die AGFA- Diakästen mühelos.

Berge von Bildern, und je jünger, desto weniger ’speziell‘, aber beim ersten Eindicken auf 1/10 schon viel anschaubarer. Bei nochmaligem Durchsehen blieben dann ca. 4.000 Bilder übrig.

Als mir dies Archiv übergeben worden war hatte ich mich nicht festlegen können, was damit zu tun sei. Wäre ja möglich gewesen, dass man wirklich alles am Stück hätte wegwerfen müssen. Wen interessiert heute noch ein schlecht gemachtes Bild von irgendwelchen  Strandferien, die über Jahre und Jahrzehnte immer wieder vor gleicher Kulisse und mit leicht älter werdenden Kindern geknipst worden waren. Auch die unzähligen Aufnahmen irgendwelcher Altäre oder Kirchenfassaden waren es nicht wert, damit jemanden zu quälen. Aber zwischen diesen Banalitäten fanden sich – teils bewußt, teils unbewußt fotografiert – Kleinodien, die einen Blick auf diese vergangene Epoche gewährten und es durchaus wert waren, dem Dunkel entrissen zu werden. Da stand ich nun mit einem Konvolut, das von 1890 (schon Theos Vater war begeisterter Fotograf) bis 1990 reichte. Unmöglich, dies in solch unstrukturierter Form jemand anderem nahezubringen. Mit Dorle Prümm, der Tochter, die mir die Bilder anvertraut hatte, diskutierten wir, was zu machen sei.

Von Anfang an war klar, dass ein kommerzielles Projekt nur verschwindend geringe Chancen auf Erfolg haben würde. Man muß nur in eine der großen Kölner Foto- und Kunstbuchhandlungen gehen, um von der Masse des Angebots so eingeschüchtert zu werden, dass jede Idee eines eigenen Beitrags im Keim erstickt wird. So entschlossen wir uns, es in Form einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren zu publizieren, was Dorle Prümm durch eine Anschubfinanzierung realisierbar machte. In Ralf Liebe konnte ich einen engagierten Drucker und Verleger gewinnen, der sich auf dieses Abenteuer einließ und die nötigen handwerklichen Kenntnnisse mitbrachte, die solch ein Buch erst schön machen. Vom Präge- Einband über die sorgfältige buchbinderische Arbeit im Inneren sieht man dem fertigen Werk die Liebe an, mit der es produziert wurde. Und schon deshalb eignet es sich nicht für größere Auflagen.

Im Vorwort (hier) habe ich versucht zu erklären, wie die momentane Bilderflut dazu führt, dass wir alle verlernen, Fotos sorgfältig anzuschauen. Man blättert durch. Manchmal ist etwas schrill genug, den Blick für einen Moment zu fesseln, aber gerade das Schrille stumpft bekanntlich ja schnell ab – und das nächste Mal muß es dann noch schriller, greller, grenzüberschreitender sein. Das ist meines Erachtens die Sackgasse, in die ein Großteil der heutigen Fotoproduktion hineinrennt. Aber wie kann man ein paar Bildern die Zeit erkämpfen, ruhig angeschaut und wahrgenommen zu werden?

Eine Hilfe ist sicher, dass man das Anzuschauende so liebevoll ausstattet, dass dem Betrachter dadurch nahegelegt wird ‚da hat sich einer Mühe gegeben‚ – das kann die Haptik eines schönen Einbandes sein oder das sorgfältige Layout des Seitenspiegels und der nuancierte Abdruck der Bilder. Last not least haben wir dem Buch eine ‚eigene‘ Verpackung spendiert, die – unter dem Verlagslogo – den Blick auf den Umschlag teilweise freigibt, wie man auf dem Foto rechts oben sieht.
Wir haben uns da hoffentlich nicht blamiert; auch das klare Bekenntnis zur Beschränkung der Auflage auf 500 Exemplare gehört dazu. Und so können wir jetzt, da wir unser Buch auf die Welt losgelassen haben, nur hoffen, dass wir es richtig genug gemacht haben, anderen das aufmerksame Lesen und Anschauen zu ermöglichen.
Das Buch ist unter der ISBN 978-3-941037-99-1 in allen Buchhandlungen oder direkt beim Verlag (www.verlag-ralf-liebe.de) zum Preis von 32,50€ erhältlich. Auch in der Praxis werden wir einige Exemplare vorhalten…

 

Kommentieren