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Qualitätskontrolle in der Praxis

Nicht alles kann man messen...Dies liegt allen Therapeuten und Ärzten am Herzen – natürlich auch und vor allem denjenigen, denen unsere Arbeit gilt – den Patienten. Wenn man sich umschaut und -hört, wer einem wohl mit seinen Gesundheitproblemen helfen könnte, wäre man sehr froh, gäbe es da eine Liste. Man kann vieles messen, aber halt nicht alles. Im Zuge der Bürokratisierung wird uns aber suggeriert, dass man nur genau genug analysieren muß und dann ganz prima ’scoren‘ kann…
Um ein nicht-medizinisches Beispiel zu nehmen: man kennt das vom Wein, wo Herr Parker und andere sich mit ihren Listings hervortun. Schon da sei die Frage gestattet, wie man so etwas Komplexes wie den Wein auf einer linearen Skala abbilden will. Was macht einen Bordeaux ‚besser‘ als einen Burgunder?  Wodurch hat der eine Moselwein 88 Parkerpoints, der andere 94? Wer selber gerne ein Gläschen Wein genießt kann eigentlich über diese ‚Hitparaden‘ nur lachen – für die betroffenen Winzer ist das Ganze aber durchaus ernst, da umsatztreibend oder eben nicht.

Bei der Beurteilung der Qualität eines Arztes oder einer ärztlichen Einrichtung ist es noch schwieriger. Kann man die mehr oder weniger moderne Ausrüstung zum Maßstab nehmen? Sind Einrichtung, Verhalten der Mitarbeiter oder die Wartezeiten ein Kriterium? Alles spielt sicher eine Rolle, aber schließlich kommt es darauf an, dass für die Gesundheitsprobleme des Betroffenen eine möglichst effiziente Lösung gefunden wird – alles Andere ist nur schmückendes Beiwerk.

Bankenrettung: der Blick des Karikaturisten

Danke für die Rettung! Ich schick Ihnen gleich mal die Rechnung...

Wichtige Pioniere der Qualitäts- und Risikokontrolle waren und sind Banken und Versicherungen, die sich so vor den Überraschungen der Spekulation schützen wollten. Wohin das 2008 geführt hat, sollte noch in unserem kollektiven Gedächtnis sein. Nun glaube man nicht, dass dadurch ein Umdenken eingeleitet worden wäre. Man macht genauso weiter. Wer heute mit jungen Kollegen im Krankenhaus spricht wundert sich über deren Leidensfähigkeit. Bald sind wir so weit, dass wir für jeden Patientenkontakt genauso lange brauchen, um das dann bürokratisch zu dokumentieren. Jedes Käseblatt hat heutzutage ‚Rankings‘ von Kliniken und Ärzten – „wenn es der Wahrheitsfindung dient“ ist man versucht mit Fritz Teufel selig zu bemerken. So geht es also nicht.

Deshalb sind wohl die Beurteilungen durch die Patienten noch das ehrlichste Kriterium – zumal sich eher diejenigen irgendwo zu Wort melden werden die nicht zufrieden sind. Wir wurden immer wieder gebeten, eine Liste der Ärzte ins Internet zu stellen, die bei uns ausgebildet wurden. Ich hab da so meine Zweifel. Zum einen kann man aus der Tatsache, dass einer eine Kursreihe absolviert hat zwar auf sein Interesse schließen – ob er /sie dabei aber schlauer rauskam ist noch die zweite Frage. Aber es gibt ja genug Foren im Internet, wo man sich – mit aller gebotenen Vorsicht – anschauen kann, was die Kundschaft so von einem denkt.

Auch unsere Parxis will ich da gar nicht ausnehmen: wer weiß schon, wie wir in ein paar Jahren dastehen? Man muß sich jeden Tag aufs Neue bemühen, die Latte etwas höher zu legen. Sonst wird man bequem und selbstgerecht. Wir sind natürlich der Meinung, dass wir es gut machen 😉

Die Unsitte, alles zertifizieren zu wollen greift aber auch in der Medizin um sich. Vor einiger Zeit war ich bei einem Kollegen in der Praxis, der am Empfang eine Urkunde hängen hatte, dass seine Praxis ISO9000- zertifizert sei. So what? – ist man versucht zu fragen. Aber wer teuer Geld dafür ausgeben mußte (die wenigsten machen so was freiwillig), möchte sich nachher zumindest mit dem so mühsam Erworbenen schmücken – nicht begreifend, dass man so diesen Irrsinn unterstützt und stabilisiert.

Die ganze Zertifiziererei kommt aus dem industriellen Qualitätsmanagement und ist selbst da umstritten (vgl.Interview Warzecha). An der Wiege der ISO9000 (sie hieß damals noch BS5750) standen Mängel in der Artilleriegranaten- Produktion in den USA während des 2. Weltkrieges. Solche industriellen Prozesse kann man relativ gut abbilden. Wendet man solche Verfahren auf soziale Prozesse an, wird man in aller Regel scheitern (vgl.Kritische Anmerkungen über ISO9000). „Die ISO-Zertifizierung ist daher in der Regel eine Zwangsveranstaltung ohne Primärnutzen“ fassen die Autoren zusammen. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – nur vielleicht dies noch: ‚Es genügt nicht, die falschen Antworten zu geben, man sollte schon die falschen Fragen stellen‚ …

Sie verstehen jetzt, warum wir uns nie zertifizieren ließen und das auch in Zukunft nicht vorhaben.

 

1 Kommentar zu „Qualitätskontrolle in der Praxis“

  • Josef Poschenrieder:

    Die Zertifizierungen sind nicht nur im sozialen Bereich untauglich, sondern auch für Industriebetriebe ein hochgefährliches Pflaster, nämlich für das Ausgespähtwerden. Ein Prüfingenieur erhält weitgehenden Einblick in den Betrieb. Was liegt für einen chinesischen oder russischen Konkurrenten näher, als ein paar TÜV-Ingenieure zu bestechen oder zu erpressen, um an sensible Daten zu kommen? Dieses Tor steht scheunenweit offen. Allein das QMB-Handbuch, in dem alle innerbetrieblichen Prozesse beschrieben sind, ist für die Konkurrenz Gold wert. Ich kann jedem, der sich zertifizieren lassen muss (weil er Behördenaufträge braucht), nur raten, im gesamten QM-Prozess keinerlei Hinweise auf Verfahrenstechniken zu geben, sondern eher noch, bewußte Irreführungen einzubauen.

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