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Impressum
   
Geschichte der Huhnsgasse und ihrer Umgebung
(mit herzlichem Dank an Martin Stankowski, der den Großteil der Recherche lieferte)

In dem Gebäude, wo sich heute unsere Praxis befindet, war vorher eine Kreuzworträtsel- Druckerei untergebracht. Der alte Herr Feldmann hatte nach dem Krieg hier angefangen und in all den Jahrzehnten die Silben- Schweden- und Kreuzworträtsel herausgegeben, die ihm von fleißigen Autoren (meist pensionierten Lehrerinnen) geliefert worden waren. Über zwanzig Arbeitnehmer waren hier in den besten Zeiten beschäftigt, und noch heute steht im Keller eine Heidelberger Tiegeldruckmaschine als Nachlass. Auch in der Praxis haben wir diverse Handdruckmaschinen und einen kompletten Bleisatz (der allerdings aus einer anderen Druckerei stammt). Hier hilft uns Ralf Liebe, der mit seinem Engagement für den Bleisatz spontan seine Hilfe anbot . So können wir zumindest ein bisschen an diese Tradition erinnern...

Feldmann hatte die Gebäude der Firma Boonekamp abgekauft, die in den Jahrzehnten vorher (im Adressbuch seit 1919) hier Schnaps und Pralinen gefertigt hatte. Auch ein ehrenwertes Gewerbe. Davor ist in der Huhnsgasse 34 eine Firma für Wassertechnik zu finden. Der Wasserturm (in dem jetzt das bekannte Hotel untergebracht ist) liegt ganz in der Nähe und war zu seiner Zeit eine revolutionäre Neuerung, die die Versorgung der Südstadt mit sauberem Wasser sicherstellte.
Das Gebäude dürfte in der zweiten Hälfte des 19. Jhds. gebaut worden sein (ca. 1890), als die Schleifung der alten Festungswälle Platz schaffte für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe. Vorher war die Huhnsgasse der Zugang zum Weyertor, von dem aus die Straße nach Südwesten führte. Dieses Tor war kein sehr wichtiger Verkehrsknotenpunkt, trotzdem fanden sich dahinter die üblichen Abspannungen und - damit die Wartenden nicht durstig blieben - an den Straßen kleine Brauereien. Vor der Mitte des 19. Jhds. existierte hier noch keine dichte Bebauung. Kleine Häuschen standen am Straßenrand, dahinter waren Obstgärten. Gemüseanbau oder Weinreben, deren Produkt nicht umsonst als "sürer Hungk" bekannt war...
Aber die Nähe des Stadttores zog auch andere an, und so ist für diese Gegend auch ein Straßenstrich und diverse Abortgruben dokumentiert (s. Karte "Gebührkaule" = Abfallgrube). Etwas weiter die Strasse runter wurde es dann schon ehrenwerter: Seit dem 15. Jhd. ist dort eine Schule nachgewiesen, just da, wo noch heute Schulbänke stehen.

Zu Beginn des 19. Jhds, fand auch die Umtaufe der Hundsgasse in die Huhnsgasse statt. Hatten wir ursprünglich an einen Schreibfehler Napoleonischer Katasterbeamter geglaubt, wurden wir von Martin Stankowskis Recherchen eines Besseren belehrt:
Wallraff hatte sich damals zum Ziel gesetzt, hässliche oder "prejorative' Namen Kölner Straßen und Plätze zu verschönen. So wurde aus dem Pissgässchen die Komödienstraße und aus dem Hundegasse eben die Huhnsgasse. Was es mit dem ursprünglichen Namen auf sich hatte ist nicht sicher festzumachen. Mehrere Möglichkeiten bestehen:
‚hun' bedeutet braun, morastig, was der Gegend sicher angemessen war. Eine andere Etymologie geht dann auf die Bedeutung junger Bär, Bursche zurück um schließlich ganz einfach auch auf den Hund zu kommen, als blöder Hund, fauler Hund oder feiger Hund ja nicht sehr gut beleumundet. Weshalb die Umbenennung in Wallraffs Sinne verhindern sollte "dass Touristen von der Plattheit der Kölner abgestoßen werden" - ganz in unserem Sinne.
Das ganze Gebiet gehörte in dieser Zeit zu Klosterbesitz, wahrscheinlich zu St. Mauritius. Dieser Heilige, der ja als Afrikaner ein ganz früher ‚Immi' wäre (wie man in Köln die Zugereisten nennt) hatte seine Kirche gleich außerhalb der Römermauer nördlich von uns. Wo wir heute sind war auch das Gräberfeld, das an die römische Tradition anknüpfte, seine Verstorbenen am Rande der Ausfallstraßen beizusetzen. Im römisch-germanischen Museum sind etliche der Grabstellen ausgestellt.
Schon ab dem 13. Jahrhundert lag unser Areal innerhalb der Stadtmauern. Vorher war die Stadtgrenze jenseits des Mauritiussteinwegs, der dann südlich in den Rothgerberbach übergeht und so die römische Stadtmauer markiert.
Doch schon viel früher war hier Betrieb: die Hundegasse war die Verlängerung der Luxemburger Strasse Richtung römisches Stadttor, und über diesen Militär- und Handelsweg war Köln mit Zülpich (Tolbiacum) und Trier (Augusta Treverorum) verbunden.

So sitzen wir mit unserer kleinen Praxis eigentlich an einer ganz guten Stelle:
Mitten in einem alten Knochenfeld aus der Römerzeit, vor den Stadtmauern der Römer - wo die Feldscher und Chirurgen in Friedenszeiten hingeschoben wurden) und in Gebäuden, die schon Allerhand Anregendes für Körper und Geist produzierten.

Wir werden uns bemühen, diesen Traditionen gerecht zu werden...

Köln, November 2005
H. Biedermann