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Über Schreikinder – mal wieder …

Wenn Eltern – vor allem beim ersten Mal – so einen kleinen Familien- Zuwachs in Händen haben, prasseln eine Menge neuer Eindrücke und Anforderungen auf sie ein. Es ist ja doch ein bißchen komplizierter als ein neues Auto, und in der Regel wird hier keine Gebrauchsanweisung mitgeliefert…

Früher – man lebte ja meist im selben Dorf wie der Rest der Familie – war in der Regel eine Tante ‚zur Hand‘, die einschlägige Erfahrungen hatte, die Mutter der frischgebackenen Mutter allemal. Heute sind die Eltern in der Regel nicht gerade nebenan, und entsprechend allein gelassen fühlen sich die ’neuen‘ Baby- Besitzer. Dieser Aspekt spielt sicher eine Rolle, wenn man einem konstant schreienden kleinen Familienzuwachs gegenüber steht. Sicher ist es eine  Beruhigung, wenn dann der Kinderarzt versichert, daß diese ‚Drei-Monats-Koliken‚ irgendwann mal spontan aufhören (daher der – wenig intelligente – Name). Wenn das Baby dann 6 Monate alt ist und immer noch schreit, wir der Name des Problems etwas un- überzeugend.

Es gehört keine riesen- Intelligenz dazu einzusehen, daß eine schnelle Hilfe doch ein bißchen effizienter ist…

Nun soll man nicht so größenwahnsinnig sein zu behaupten, man habe für jeden Topf einen Deckel, für jedes Schreikind eine probate Hilfe – aber für viele. Was mich immer noch nach all den Jahren erfolgreicher Schreikinderbehandlung erstaunt, daß viele kinderärztliche Kollegen unseren funktionellen Ansatz in Bausch&Bogen ablehnen – auch nachdem sie offensichtlich mit deutlich gebesserten Kindern konfrontiert waren; „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf„, könnte man etwas überspitzt sagen. Statt froh zu sein, daß man da recht schnell helfen kann…

Es war ja durchaus nicht von Anfang an klar, daß wir da etwas zu melden haben; in en 80gern und 90gern sahen wir erst einmal vor allem ’schiefe‘ Kinder. Diese Asymmetrie war ein deutliches Zeichen, jemanden dran zu holen, der etwas von gerader Haltung versteht. Der Begriff „Orthopädie“ war Anfang des 18. Jahrhunderts von dem französischen Arzt Nicolas Andry de Boisregard geprägt worden. Er verwies explizit auf die gerade Haltung und Erziehung der Jugend (‚Ortho‚ = recht, aufrecht und ‚Paedia‚ = Kind, Erziehung). Das geriet später etwas in Vergessenheit; daß die ‚Orthopädie‘ bei Kindern begonnen hatte, geriet in den Hintergrund. Schon er wußte damals um den Einfluß der Geradheit auf die gesamte Entwicklung, wir mußten das erst wieder lernen.

Nachdem wir etliche schiefe Säuglinge gerade bekommen hatten, berichteten uns die Eltern, daß die Kinder besser schliefen, das Stillen besser klappte, sie einfach fröhlicher und entspannter waren. Dem gingen wir systematisch nach und kamen so langsam auf die viel umfangreicheren Beeinflussungsmöglichkeiten durch Beseitigung der Verspannungen und Blockierungen am Hals. Wir lernten auch, daß es am Anfang (vor dem Laufen lernen um den erste Geburtstag) fast nur der oberste Anteil der Halswirbelsäule ist, der Kummer macht. Da muß man aber genau hinschauen, um effektiv zu arbeiten. Wenn ich viele Kollegen sehe, die denHals behandeln und sich nur auf ihren Tastsinn verlassen, wird mir ganz anders.

Schmunzeln muß ich eher, wenn in Arztbriefen von Behandlung vieler verschiedener Blockierungen die Wirbelsäule rauf&runter berichtet wird. Ich hab da meine Zweifel, ob das (A) so blockiert und (B) so wichtig ist 😉 . Es sei aber betont, daß man eben nicht so lange behandeln sollte, bis man schlußendlich eine Besserung sieht, sondern möglichst sparsam und gezielt. Wenn man X-mal ‚am Hals war‘ läßt die Effizienz der Therapie nach; so kann sich eine an sich gute Therapie in ihr Gegenteil umkehren. All dies ist ja mit den besten Vorsätzen gemcht und jede/r hat sicher das Wohl des Säuglings im Auge.

Viel hilft viel stimmt eben auch hier nicht …

Was mir wichtiger zu sein scheint, ist sich bestmöglich ein Bild von der Situation am Hals zu verschaffen; ich komm da auch nach 30 Jahren einschlägiger Berufspraxis nicht um ein Röntgenbild des Halses rum. Ohne die Stahlenbelastung bagatellisieren zu wollen, kann man heute sagen, daß die verwendeten Dosen minimal sind. Als ich meinen eigenen Sohn behandeln mußte, hab ich ihn auch vorher geröntgt – und ich würde mich strikt weigern, dies bei irgendeinem Kind zu tun, wenn nicht der Erkenntnisgewinn bei weitem das (noch nie nachgewiesene) Risiko überwiegen würde. Wir sagen immer wieder, daß man bei 90% der Kinder kein Röntgenbild braucht – aber der weiß man eben erst, wenn man’s gemacht hat und es war unauffällig!

Um unsere Arbeit zu überprüfen und vertiefen, haben wir im Lauf der Jahre immer wieder nachgeschaut, was aus den behandelten Kindern geworden ist – und ob wir wirklich den Erfolg hatten, den wir zu haben glaubten. Etliche Jahre nach Veröffentlichung in der „pädiatrischen praxis“ (76, 25-40; 2011) machen wir den Artikel hier zugänglich, da uns immer wieder Therapeuten und Eltern danach fragen (Bie_Schreikinder_11). Hier wird auch zusammengefaßt, wann eine Hilfsmöglichkeit durch Manualmedizin wahrscheinlich ist.

Prosit heißt ja eigentlich; möge es nützen!

In diesem Sinne! Den Kommentar der Redaktion hab ich dran gelassen, dann können Sie sich selber ein Bild machen, wie vorsichtig die Zeitschrift damals mit so einem ‚brisanten‘ Thema umging.

Wieviel tausend Schreikinder wir in der Zwischenzeit wieder behandelt haben hab ich jetzt nicht noch mal erfasst…

 

 

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